Doppelmoral: Vor der eigenen Haustür kehren

Zeichen in Doppelmoral: Vor der eigenen Haustür kehrenIn letzter Zeit fällt mir immer häufiger auf, dass einige Leute glauben, sie können andere erwachsene Menschen maßregeln, ihnen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Gerade im Social-Media-Bereich glauben viele, sie hätten das Recht dazu. Statt sich um andere zu kümmern, sollte man lieber vor seiner eigenen Haustür kehren. Sie können ihren Kindern sagen, was sie machen sollen, aber nicht ungefragt irgendwelchen anderen Personen.

Ein paar Beispiele gefällig?

Da zeigt jemand ein Tütchen Saatgut, das von einer umstrittenen Firma ist, und erhält dafür ein Shitstorm, der sich gewaschen hat. Gleiches gilt für andere Produkte, die von Firmen kommen, die die meisten meiden. Auch beim Essen glauben viele, sie könnten andere bevormunden. Bei politischen Themen und Glaubensfragen war das ja irgendwie schon immer so. Es scheint nur noch schwarz oder weiß zu geben, die Grautöne dazwischen – und davon gibt es reichlich – werden überhaupt nicht wahrgenommen.

Im Namen der Natur

Oft wird als Begründung für die Bevormundung der Naturschutz oder die Menschenrechte in den Vordergrund gestellt. Ich stelle mir dann immer die Frage, womit der selbst ernannte Hardcore-Naturschützer gerade im Internet ist, ob sein Computer, Smartphone oder Ähnliches wirklich bio und aus natürlich nachwachsenden Rohstoffen, am besten selbst aus Holz geschnitzt, ist, ob er auch ja kein Auto besitzt und keine Kleidung trägt, die durch Billig- oder Kinderarbeit entstanden ist, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Fragt man die Besserwisser nämlich danach, gibt es mindestens einen Punkt, in dem es bei ihnen mit dem Naturschutz auch nicht so weit her ist. Wenn sich jemand auf das Thema Menschenrechte beruft, kann ich auch nur mit den Augen rollen, da sich die wenigsten wirklich für andere interessieren oder warum wird eine Person fertiggemacht, wenn sie Dinge kauft oder macht, die nicht ins eigene Bild passen? Das hat nicht wirklich etwas mit Nächstenliebe zu tun!

Bei sich selbst anfangen

Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich bin auch nicht von jedem und allem ein Fan, auch für mich gehen einige Dinge gar nicht und ich versuche, bestimmte Sachen zu meiden. Aber deshalb nehme ich mir noch lange nicht das Recht, anderen vorzuschreiben, was sie tun dürfen. Am Ende gibt es nur eine Person, vor der man sich rechtfertigen muss, nämlich vor sich selbst. Wer wirklich etwas ändern will, soll doch gefälligst bei sich selbst und nicht bei anderen anfangen. Wenn wir ganz ehrlich sind, gibt es kaum jemanden, der wirklich zu 100 Prozent einwandfrei handelt. Oder wie viele Leute kennt ihr, die ohne Strom und Technik auskommen, irgendwo in der Wildnis eine kleine Hütte haben und ihr Essen – Obst und Gemüse wohlgemerkt – selbst anbauen? Ich kenne keinen Einzigen, der so lebt! Warum kann man nicht einfach andere Menschen mit all ihren Ecken und Kanten so nehmen, wie sie sind, ohne sie ändern zu wollen?!? Natürlich hat alles seine Grenzen, es geht hier aber auch nicht um rechtswidrige oder gewaltverherrlichende, sondern eher um kleinere Dinge aus dem Alltag!